Neue MOSTI am neuen Platz

Was die Mitglieder des Obst- und Gartenbauvereins am neuen Standort der Mosterei im Hunzikerhof in Balsthal investiert und geleistet haben, darf sich sehen lassen. 

 

Pressebericht von Peter Wetzel vom 03.09.14

Freude allenthalben am Tag der offenen Tür. «Unser neuer Standort beim Hunzikerhof ist geradezu ideal: Die Anfahrt und die Parkierungsmöglichkeiten für die Anlieferung sind optimal, unter dem riesigen Vordach kann bequem ein- und ausgeladen werden und die Lärmimmissionen für die Umgebung sind gering.» Diese Meinung vertraten alle befragten Mitglieder des OGV. Die Mosti passe gut ins Konzept der sich ebenfalls beim Hunzikerhof befindenden Wertstoffsammelstelle. In der ehemaligen Scheune ist eine moderne, nach neusten Hygienevorschriften eingerichtete Mosterei entstanden.


Aus der Not eine Tugend

Die OGV-Mitglieder suchten sich diesen neuen Standort nicht freiwillig aus. Sie mussten für die Mosterei einen neuen Ort finden, nachdem bekannt wurde, dass die Einrichtung am alten Standort in der alten Litzi geräumt werden muss, weil das Gebäude abgebrochen wird. Im Hunzikerhof, welcher der Gemeinde gehört, wurde man schliesslich fündig. Mit grossem Engagement und vielen Eigenleistungen entstand ein wahres Bijou. Beim Betreten der Mosti ist nicht mehr viel von den ehemaligen Ställen und der Tenne zu sehen. Auffallend sind die neuen Wände, Fenster, Decken, Tore sowie der Boden, in den diverse Leitungen eingezogen werden mussten. Auch eine saubere WC-Anlage gehört heute zu einer modernen Kundenmosterei. Nicht zu vergessen ist natürlich das Herzstück, die Mostpresse. Hier können die verschiedenen Stufen der Mostherstellung mitverfolgt werden.

Die Mosti am neuen Standort läuft bereits seit September letzten Jahres. Man habe 23 000 Liter Most für rund 250 Kunden aus der Region hergestellt, berichtet OGV-Präsident Philipp Tschan. Der grösste Teil sei pasteurisiert worden. Wegen der angekündigten Apfelschwemme in diesem Jahr rechne man heuer mit noch grösseren Mengen. «Unser Anliegen ist, das Naturprodukt Most den jungen Leuten vermehrt zugänglich und bekannt zu machen. Diese umweltfreundliche und nachhaltige Getränkeproduktion passe auch gut in die diesbezüglichen Anstrengungen des Naturparks Thal.»


Da ist noch eine Vision

Der Mostereibetrieb – von Anfang September bis Mitte November – könne nicht nur mit Vereinsmitgliedern aufrechterhalten werden. Eine Gruppe von sechs Personen werde für das Mosten eingesetzt, eine andere für das Pasteurisieren. Vereinsmitglied Heinz Feldmann hat bezüglich der Weiterentwicklung der Mosti eine Vision: «Mit der Anschaffung einer Bandpresse könnte man noch viel rationeller arbeiten.» Übrigens: Was von den geschnetzelten und ausgepressten Äpfeln übrig bleibt, nennt man Trester. Dieser wird nicht etwa der Grünabfuhr mitgegeben, sondern als Tierfutter in der Landwirtschaft verwendet. Auch die Jäger sind Abnehmer dieser vitaminreichen Zusatzkost.


Apfeltrester der Mosti Balsthal ist die ideale Winternahrung für Zermatter Wildtiere

Pressebericht von Peter Wetzel vom 09.11.14

 

Thomas Infanger (l.) und Georg Studer sind mit der Most-Saison 2014 sehr zufrieden. Auch zu den Most-Rückständen, dem Trester, tragen sie Sorge.

Apfeltrester sind Pressrückstände, welche bei der Herstellung von Apfelsaft entstehen. In der Balsthaler Mosti im Hunzikerhof fällt während der Mostsaison eine Unmenge dieses Materials an.

 

Der grösste Teil des Tresters geht zu einem Landwirt, der die Rückstände als Raufutterersatz verwendet. Abnehmer sind auch die Jäger, die die ausgepressten Apfelstücklein für die Wildfütterung einsetzen.

 

Ein ganz spezieller Abnehmer aber ist der Oensinger Garagist Viktor Ackermann. Er pflegt eine enge Verbindung mit dem weltbekannten Ferienort Zermatt und hat dort seit zwölf Jahren eine Zweitwohnung.

Seit rund zehn Jahren fährt Viktor Ackermann einmal im Oktober mit einem Lastwagen vor die Mosti Balsthal und belädt die Ladefläche mit 14 Fässern, welche alle mit Trester gefüllt werden.

                                                    Via Kandersteg–Goppenstein gelangen die

                                                    Fässer nach Zermatt.

Dort wird die Ladung von Raphael Julen, Betreiber des Restaurants Tufternalp in Empfang genommen, auf einen Schilter, ein geländegängiges Fahrzeug, geladen und auf die Tufternalp gefahren.


Julen beschickt in den Wintermonaten die Futterstelle in der Nähe seines Restaurants mit dem Balsthaler Trester, zusammen mit Heu. Dieses Futterangebot lockt in erster Linie das Rehwild an, welches von der Sonnenterrasse des Restaurants aus nächster Nähe beobachtet werden kann. Bei ganz strengen Schneeverhältnissen gesellen sich auch noch zahlreiche Gämsen dazu. Dieses Naturschauspiel gilt mittlerweile als Touristenattraktion, weiss Viktor Ackermann zu erzählen.


Julen und Ackermann kennen sich schon seit Jahren. Sie kamen bei einem Gespräch auf die Wildfütterung mit Trester. In der Mosti in Balsthal werde sauberer, zuckerreicher und wasserhaltiger Trester mechanisch produziert, wusste Ackermann zu berichten.


Dieser Trester könne nicht verglichen werden mit demjenigen aus Grossmostereien. Er bot Julen an, jährlich eine Lieferung dieses wertvollen Stoffes unentgeltlich nach Zermatt zu liefern. Ackermann meint dazu: «Ich freue mich, etwas dazu beitragen zu können, dass die Gäste – und vor allem auch die Kinder – die Schönheit unseres Wildes vor Augen geführt bekommen.»


Der lange Transport lasse sich rechtfertigen durch die grosse Freude der Leute beim Beobachten der Wildtiere. Zudem fahre er so oder so öfters nach Zermatt. Als ehemaliger Jäger habe er zudem eine enge Beziehung zu den Wildtieren aufgebaut.